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BVZ Zermatt-Bahn:

125 Jahre bewegte Geschichte

Die Geschichte der BVZ Zermatt-Bahn (BVZ), die im sich zu Ende neigenden 19. Jahrhundert begonnen hatte, wurde 2003 durch die Fusion mit der Furka Oberalp Bahn zur Matterhorn Gotthard Bahn besiegelt. Entstanden war die Bahn dank der grossen Anziehungskraft des Matterhorns: Nach der Erstbesteigung durch den Briten Eduard Whymper im Jahr 1865 erfreute sich der 4’478 Meter hohe Berg und mit ihm die ganze Region einer zunehmenden Beliebtheit. Zermatt war damals allerdings nur zu Fuss erreichbar und das Bedürfnis nach einer Bahnstrecke ins Matterhorndorf dementsprechend gross.

Vorerst nur Sommerbetrieb

So wurde 1888 mit dem Bau der meterspurigen Visp-Zermatt-Bahn – so hiess die BVZ Zermatt-Bahn damals – begonnen. Drei Jahre später, am 18. Juli 1891, konnte die 44 km lange Gesamtstrecke von Visp nach Zermatt eröffnet werden. Wegen Lawinengefahr und Beschränkung des Tourismus auf den Sommer verkehrte die Schmalspurbahn anfänglich allerdings nur in den Monaten Juni bis September. Die Passagierzahlen lagen bereits wenige Jahre nach dem Start deutlich über den Erwartungen. Diese Entwicklung verdankte die Bahn nicht zuletzt der Eröffnung der Gornergrat Bahn im Jahr 1898 sowie dem Simplontunnel (Eröffnung 1906) und der Lötschbergbahn (Eröffnung 1913). Ein abruptes Ende bereitete dem Wachstum jedoch der Erste Weltkrieg. Nicht nur der drastische Rückgang des Tourismus, sondern auch der Anstieg des Kohlepreises machte der Bahn zu schaffen und verursachte hohe finanzielle Verluste. Erst 1927 erreichten die Passagierzahlen wieder das Niveau der Vorkriegsjahre.

Rettung der Brig-Furka-Disentis-Bahn

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde in den Schweizer Alpen ein weiteres Bahnprojekt in Angriff genommen. Die Brig-Furka-Disentis-Bahn – Vorgängerin der Furka Oberalp Bahn – nahm den Bau einer Bahnstrecke von Brig nach Disentis in Angriff. Von den Kriegswirren arg gebeutelt, musste sie 1923 jedoch Konkurs anmelden. Fertig gestellt war zu diesem Zeitpunkt erst die Strecke von Brig nach Gletsch. Die Direktion der Visp-Zermatt-Bahn ersteigerte 1924 das Rollmaterial und die bereits erstellten Streckenabschnitte der insolventen Bahn, um sie ein Jahr später unter dem Namen Furka Oberalp Bahn fertig zu stellen. Zunächst unterstand die Bahn der Visp-Zermatt-Bahn, erst 1961 wurde sie eigenständig.

Elektrifizierung und durchgehender Betrieb

Die Visp-Zermatt-Bahn war stets darauf bedacht, ihren Fahrgästen besten Komfort zu bieten. So ersetzte sie ihre Dampflokomotiven im Jahr 1929 durch Elektrofahrzeuge. Am 6. Juni 1930 schliesslich wurde der lang ersehnte Streckenabschnitt von Visp nach Brig eröffnet. Den Namenswechsel zur Brig-Visp-Zermatt-Bahn nahm sie allerdings erst im Juni 1962 vor. Dank des neuen Streckenabschnitts war die Strecke von Zermatt nach St. Moritz mit der Visp-Zermatt-Bahn, der Furka Oberalp Bahn und der Rhätischen Bahn nun durchgehend befahrbar, und es war das grösste schweizerische Schmalspurnetz entstanden. Bestrebungen und Versuche, den Bahnbetrieb nach Zermatt auch im Winter aufrechtzuerhalten, hatte es bei der BVZ schon lange gegeben. Aufgrund der Wetterverhältnisse und fehlender Lawinenschutzbauten gelang dies aber erst im Jahr 1933. Die Wirkung liess nicht lange auf sich warten: Zermatt baute in der Folge das touristische Angebot laufend aus.

Modernisierung nach dem Zweiten Weltkrieg

Wie schon 1914 bis 1918 brachen die Passagierzahlen der Visp-Zermatt-Bahn auch während des Zweiten Weltkrieges ein – zumindest jene ausländische Touristen betraf. Dank Schweizer Reisenden und regelmässigen Militärtransporten konnte die Bahn ihren Betrieb weiterführen. Auch tangierte der wiederum steigende Kohlepreis die Bahn nicht mehr, da diese seit 1929 elektrisch betrieben wurde. In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg modernisierte die BVZ Rollmaterial und Infrastruktur laufend. So wurden die Personenwagen erneuert, praktisch alle Brücken auf der Strecke durch Stahlbetonbauten ersetzt, Lawinenschutzbauten erweitert und ein Streckenblocksystem zur Erhöhung der Sicherheit eingesetzt. Dem zunehmenden Passagieraufkommen begegnete die Bahn im Jahr 1972 mit der Einführung eines regelmässigen Pendelverkehrs zwischen Täsch und Zermatt. 2006 konnte die BVZ Holding den Matterhorn Terminal Täsch eröffnen – eine moderne Umsteigeplattform für die Besucher Zermatts, die mit dem Auto anreisen.

100 Jahre BVZ im Zeichen von Unwettern

Das Jahr 1991 hätte für die Brig-Visp-Zermatt-Bahn ein erfreuliches werden sollen, gab es doch das hundertjährige Jubiläum zu feiern. Stattdessen ereigneten sich in diesem Jahr gleich mehrere Felsstürze, bei denen zwar keine Personen zu Schaden kamen, jedoch grosse Teile des Bahntrassees. Beim Felssturz vom 18. April 1991 stürzten nordwestlich von Randa riesige Felsbrocken auf die Schienen, so dass der Verkehr auf die Strasse verlegt werden musste. Drei Wochen später rutschte der Berg erneut ab und staute die Vispa auf. Der untere Dorfteil von Randa wurde überschwemmt, und nach heftigen Regenfällen stand Mitte Juni auch der Bahnhof unter Wasser. Ein knapp drei Kilometer langes Stück des BVZ-Trassees wurde am 1. August an einer neuen Stelle in Betrieb genommen, jedoch kurz darauf ebenfalls überschwemmt. Am 10. August konnte der Bahnbetrieb endlich wieder regulär aufgenommen werden. Die für Juli 1991 vorgesehenen Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums waren auf den Herbst verschoben werden. Der Gesamtschaden für die BVZ belief sich auf mehrere Millionen Schweizer Franken.

Im Jahr 1991 fand auch eine erneute Umbenennung der Bahn statt – fortan hiess sie BVZ Zermatt-Bahn. Am 28. Juni 1999 schliesslich stimmten die Aktionäre der Bahn einer Umwandlung der Gesellschaft in die BVZ Holding AG zu. Dies war ein wichtiger Vorentscheid zur Fusion mit der damaligen Furka Oberalp Bahn zur Matterhorn Gotthard Bahn im Januar 2003.