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Naturgefahren

Naturgefahren wie Lawinen, Murgänge oder Steinschläge stellen im alpinen Raum eine stetige Gefährdung dar. Die Matterhorn Gotthard Bahn ist sich der daraus resultierenden Risiken bewusst und begegnet ihnen mit einem umfassenden und proaktiven Naturgefahrenmanagement.

Ziel ist es, die Sicherheit der Reisenden, der Mitarbeitenden und der Infrastruktur zu gewährleisten sowie die Verfügbarkeit für einen möglichst reibungslosen Bahnbetrieb sicherzustellen.

Medienberichte zum Thema

Entscheidungen bei Naturgefahren: Zermatt Inside April 2026 

Kampf mit Lawinen und Steinschlägen: SRF Reportage März 2026

Die Bahn vor Naturgefahren schützen: Zermatt Inside Dezember 2025

 

FAQ zum Thema Naturgefahrenmanagement

Arbeitet die MGBahn in dieser Thematik mit dem Kanton Wallis, Gemeinden oder Forschungseinrichtungen zusammen?

Ja, der Umgang mit Naturgefahren ist eine Verbundaufgabe. Die Zusammenarbeit mit allen Betroffenen ist entscheidend für eine wirksame Risikoreduktion. Deshalb arbeitet die MGBahn eng mit kantonalen und lokalen Behörden unter Beizug von Geologen und Naturgefahrenspezialisten zusammen, um Risiken zu bewerten und geeignete Massnahmen umzusetzen.

Auf welcher Grundlage entscheidet die MGBahn über Streckensperrungen?

Die Entscheidung über eine Streckensperrung basiert auf einer laufenden und umfassenden Lagebeurteilung. Dabei fliessen verschiedene Informationsquellen zusammen, unter anderem:

  • aktuelle Wetterprognosen und Niederschlagsdaten
  • Daten aus technischen Überwachungs- und Alarmsystemen
  • Beobachtungen lokaler Naturgefahrenbeobachter der Gemeinden
  • Einschätzungen externer Fachpersonen und Partner
  • Erfahrungswerte aus früheren Ereignissen

Die Lage wird fortlaufend neu beurteilt und frühzeitig mit den betroffenen Partnern abgestimmt.

Wie überwacht die MGBahn gefährdete Abschnitte?

Die MGBahn nutzt moderne Überwachungssysteme, um potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören:

  • Meteorologische Daten: Wetterprognosen und Niederschlagsmessungen.
  • Abflussmessungen in Gewässern
  • Überwachung von Hangbewegungen, Felsinstabilitäten und Gletscheraktivität mittels spezifischer Messsystemen
  • Automatisierte Alarmanlagen für Murgänge und Lawinen
  • Periodische visuelle Inspektionen und Kontrollen von Sturzgebieten und Schutzbauwerken durch Fachleute.
  • Beobachtungen durch die örtlichen Naturgefahrenbeobachter der Gemeinden
  • Beobachtung der Veränderungen im Permafrost über das Schweizer Permafrostmessnetz (PERMOS)
  • Grossräumige Massenbewegungen (Rutschungen, Felsinstabilitäten) mittels Satellitenfernerkundung

Welche Naturgefahr stellt derzeit die grösste Bedrohung dar?

Das hängt vom Streckenabschnitt ab, wobei Höhenlage und Topografie eine grosse Rolle spielen.

Die Gefährdung kann dabei sehr unterschiedliche Ausprägungen haben kann. Während die unmittelbare Gefährdung des Betriebs von permanenten, langsamen Rutschungen verhältnismässig klein ist, sind hier bauliche Massnahmen aus technischen und finanziellen Gründen kaum realisierbar. Demgegenüber kann der «Bedrohung» durch Lawinen durch künstliche Auslösungen mittels Sprengungen oder präventiven Sperrungen einfach entgegengewirkt werden. Da Sperrungen auf bestimmten Abschnitten für die Bevölkerung sehr einschneidende Auswirkungen haben können, wird in unseren Risikoanalysen neben den Personen- und Sachschäden auch die Verfügbarkeit mitberücksichtigt.

Welche Massnahmen setzt die MGBahn heute ein und welche sind künftig im Naturgefahrenmanagement geplant?

Die MGBahn verfolgt den Ansatz des Integralen Risikomanagements (IRM) des Bundes.

Mit der konsequenten Umsetzung dieses Konzepts verfolgt die MGBahn das Ziel, die Sicherheit für den Bahnbetrieb (Personen, Infrastruktur und Rollmaterial) dauerhaft und einheitlich zu gewährleisten, wobei alle relevanten Akteure in Planung und Umsetzung einbezogen werden. Es berücksichtigt alle Arten von Naturgefahren wie Hochwasser, Lawinen, Stürme etc. und strebt ein vergleichbares Sicherheitsniveau gegenüber allen Gefahren an.

Die Planung und Umsetzung von Massnahmen erfolgen ebenfalls ganzheitlich auf strategischer, technischer und organisatorischer Ebene.

Aktuell stehen v.a. folgende Tätigkeiten im Fokus:

  • eine netzweite Aktualisierung der Risikoanalyse
  • die Überarbeitung der Notfallplanung sowie organisatorische Anpassungen im Bereich Sicherheit und Disposition
  • ein zentrales Portfoliomanagement über alle Naturgefahrenmassnahmen
  • die Weiterentwicklung innovativer Schutz‑ und Überwachungsmassnahmen
  • der Ausbau technischer Überwachungssysteme, z. B. für Steinschlag- und Felssturz mittels Radar oder IoT‑Sensorik sowie Pegelstandmessungen in Flüssen wie Vispa und Rhone
Berücksichtigt die MGBahn zukünftige Szenarien, etwa im Zusammenhang mit dem Klimawandel?

Ja, die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf Naturgefahren ist ein wichtiges Thema bei der MGBahn. Aktuell laufen zahlreiche Forschungsarbeiten zum Thema an den Hochschulen und in Fachkreisen werden Strategien zur Klimaadaption entwickelt. Die MGBahn verfolgt das Geschehen aufmerksam und setzt bereits Massnahmen um.

Mit der Aktualisierung der netzweiten Risikoanalyse wird ein Instrument entwickelt, welches es ermöglicht unterschiedliche Entwicklungen dynamisch zu simulieren, um frühzeitig Massnahmen zur Gewährleistung des Sicherheitsniveaus umsetzen zu können.

Durch die Zunahme der Häufigkeit und Intensität extremer Niederschlagsereignisse ist eine höhere Aufmerksamkeit erforderlich. Diesem Umstand wird bei der Notfallplanung besonders Rechnung getragen.

Die automatisierte Überwachung für Murgänge und Hochwasser wird fortlaufend verbessert und wo möglich werden Alarmsysteme installiert, welche im Ereignisfall Streckenabschnitte sperren können.

Durchlässe werden mit ausreichenden Durchflusskapazitäten dimensioniert und beim Bau von Geschiebesammlern wird neben dem Auffangvolumen auch die Überlastsicherung besonders berücksichtigt.

Naturereignisse häufen sich. Trend oder Zufall?

Es gibt erste statistische Hinweise darauf, dass extreme Niederschlagsereignisse zugenommen haben. Ob sich daraus ein langfristiger Trend ableiten lässt, wird aktuell wissenschaftlich untersucht.

Für die MGBahn ist entscheidend, diese Entwicklungen ernst zu nehmen und im Naturgefahrenmanagement konsequent zu berücksichtigen, unabhängig davon, ob einzelne Ereignisse als Häufung oder als Beginn eines langfristigen Trends zu beurteilen sind.

Warum verkehren einzelne Züge wie der Glacier Express, obwohl die Strecke für den regulären Betrieb gesperrt ist?

Sicherheitsmassnahmen, die aufgrund einer Gefahrenbeurteilung angeordnet werden, gelten ohne Ausnahme für einen festgelegten Streckenabschnitt und somit für alle Fahrzeuge. Je nach Entwicklung der Gefährdungslage kann es aber vorkommen, dass der Betrieb mit zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen, wie etwa örtlichen Beobachtern, schrittweise heruntergefahren wird. Um einen sicheren Bahnersatzbetrieb betreiben zu können, ist es zudem notwendig die Gefahrenbeurteilung individuell für Strasse und Bahn vorzunehmen.

Wie hoch sind die jährlichen Kosten, die durch die Prävention und Instandhaltung verursacht werden?

Es ist zu beachten, dass die MGBahn bei vielen Projekten lediglich eine von mehreren Nutzniesserinnen ist. Darum werden viele Projekte unter der Bauherrschaft Dritter mit finanzieller Beteiligung der MGBahn vorangetrieben. Der Aufwand für diese Beteiligungen beläuft sich auf jährlich rund CHF 800'000.-.

Bei den baulichen Massnahmen, die die MGBahn als Bauherrin selbst realisiert, reicht das Spektrum von verhältnismässig günstigen Steinschlagschutznetzen, die einige Tausend Franken pro Laufmeter kosten, über Grossprojekte wie der Tunnel Täsch-Zermatt, der unter anderem dem Schutz vor Naturgefahren dient und mehrere hundert Millionen kostet.

Ebenso wichtig sind organisatorische Massnahmen, wie Überwachungen oder Sicherheitssprengungen von instabilen Felspaketen und zur künstlichen Auslösung von Lawinen. Weiter leistet die MGBahn Beiträge an die Schutzwaldpflege in den drei Kantonen Wallis, Uri und Graubünden. Zu den organisatorische Massnahmen gehörten auch präventive Sperrungen bei besonderen Gefährdungslagen, wie z.B. bei sehr grosser Lawinengefahr. Hier beläuft sich der Aufwand auf etwa CHF 600'000 pro Jahr.

Werden Streckensperrungen aus wirtschaftlichen Gründen hinausgezögert?

Nein, finanzielle Überlegungen spielen bei Entscheiden zu Streckensperrungen keine Rolle. Massgebend ist allein die fachliche Lagebeurteilung der Naturgefahrenfachleute. Die Sicherheit von Reisenden und Mitarbeitenden hat oberste Priorität; Empfehlungen externer Fachstellen werden konsequent umgesetzt. Als Service public Unternehmen erfüllt die MGBahn einen gesetzlich definierten Versorgungsauftrag, der mit grösster Sorgfalt und Verantwortung wahrgenommen wird.